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Wie es dazu kam...

Irgendwann hatte ich meine 24€/Paar Boxen einfach satt...

So fing alles an: Erst die Suche nach fertigen Boxen, der resignierende Blick aufs Konto und dann die kühne Idee: Selberbauen! Zum Glück gibt es schon fertige Entwürfe und Anleitungen, sodass man wenigstens nicht alles selbst entwickeln muss (wer hat schon mal so eben das Know-How dazu?!). Also habe ich die unzähligen Modelle durchgestöbert und alles Kleingeld zusammengekratzt.

In der Zeitschrift Hobby Hifi 2/2008 wurde eine sehr kostengünstige Box vorgestellt, deren Gesamtpreis je nach Ausstattung zwischen 65€ und 90€ pro Lautsprecher liegt. Sie nutzt den Tieftöner Mivoc WPT 138 und die Hochtonkalotte Mivoc HGH 258 FN-II und ist als Transmissionline aufgebaut. Die Teile gibt es als Komplettset bei Anbietern wie lautsprechershop.de zu kaufen, was noch fehlt ist lediglich das Gehäuse aus Holz.

Ich habe also zwei der Sets mit der Frequenzweiche in "High-End - Ausführung" bestellt und mich etwas zur Funktion der Box belesen. Man erhält im Set die Chassis, Anschlussterminals, Frequenzweichenbauteile, Bassreflexrohre für den Helmholtz-Absorber im Innern der Box, Kabel, Schrauben und einen Auszug aus der  Zeitschrift Hobby Hifi 2/2008 mit der Bauanleitung und einigen Daten zu den Chassis und der Funktion der Box. Als die Teile ankamen wurde auch gleich losgelegt.

Im folgenden will ich kurz einige Informationen zum Zusammenbau geben, da, nach einigen Forenbeträgen zu urteilen, viele offensichtlich Fragen hatten und die Anleitung zwar ausreichend aber nicht allzu detailliert ist.

 

Schritt 1: Die Frequenzweiche

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Die Frequenzweiche dient dazu die Impedanz im Stromkreis eines Lausprecherchassis in Abhängigkeit der Frequenz so zu verändern, dass verschiedene Lautsprecherchassis in einer Box immer nur das abspielen, was sie am Besten wiedergeben können: Beispielsweise kann ein Tieftonlautsprecher mit hochfrequenten Tönen nichts anfangen: Die Membran ist zu groß und zu träge, als dass sie der hohen Frequenz folgen könnte - manche Frequenzen werden einfach gar nicht wiedergegeben, andere wirken durch Resonanzen der Membran matschig und unangenehm. Nicht zuletzt sind viele Chassis nur in einem bestimmten Frequenzband linear.

Wichtig ist dabei die Abstimmung auf das entsprechende Gehäuse und die Chassis: Um in allen Frequenzlagen einen gleichmäßig lauten Sound zu erreichen, müssen eventuell einige Frequenzbereiche gedämpft werden, bei denen das Gehäuse oder die Chassis zu Überbetonung neigen.

Die Weiche der MTL138 ist sehr einfach und besteht nur aus einer Hand voll Bauteilen. Ich habe alles auf einem alten Stück Pressspanplatte aufgebaut und die Teile mit Kabelbindern fixiert. Das funktioniert so wunderbar und muss schließlich auch nicht schick aussehen.

 

Schritt 2: Zuschneiden


Nachdem die Weiche fertig war, gings ab zum nächsten Baumarkt. Nach einer Zeichnung sollten alle Teile wunderbar auf zwei 205 x 67,5 x 1,9cm - Spanplatten passen. Im Baumarkt fiel mir dann aber auf, dass ich den Look der OSB-Pressspanplatten eigentlich gar nicht so übel finde. Das könnte ein umfangreiches Finishing sparen, was bei den eigentlich vorgesehenen MDF-Platten  unumgänglich ist. Meine ausgesuchten Platten gab es aber nicht in 19mm Dicke - wie erfoderlich - sondern nur in 18mm. Also alle Maße überprüft, und die entsprechenden Teile auf meinem Plan vergrößert, damit alles letztlich wieder passt.
Die OSB-Platten gibt es zudem leider nur mit 185cm Länge - somit passten die Teile nicht mehr auf zwei Platten und eine dritte gesellte sich dazu.

Ich hatte mir schon im Vorhinein überlegt, dass ein Zuschnitt im Baumarkt sicher genauer ist als die Handkreissäge zuhause. In der Anleitung wurde für den Zuschnitt beim Baumarkt pro Box 15€ einkalkuliert. Ich hoffte auf einen freundlichen Angestellten und begab mich zum "Zuschnitt-Center". Hier wurden mir alle Teile vorbildlich genau geschnitten und letztlich habe ich dafür sogar wirklich nichts zahlen müssen - danke OBI! Zum Nachmachen empfehle ich einen genaue Zeichnung der Anordnung aller Teile auf den OSB-Platten - so hat der Angestellte an der Säge weniger Stress.

Zuhause alle Teile aneinandergelegt und siehe da: Super passgenau, so hätte ich es zuhause nie hinbekommen! Beim Nachmessen habe ich bei zwei Teilen eine Ungenauigkeit von 1mm feststellen können - das stört aber nicht weiter, denn das Gehäuse wird am Ende sowieso nochmal geschliffen.

 

Schritt 3: Leimen, leimen, leimen...


Nun gehts ans Eingemachte. Ich empfehle vorher genügend Schraubzwingen bereit zulegen! Ohne die geht gar nichts! Es empfiehlt sich zudem, immer beide Boxen gleichzeitig zu bearbeiten. So spart man enorm Zeit!

Ich habe damit begonnen, der Rückseite mit der Stichsäge ein Loch für das Anschlussterminal zu verpassen. Dann werden Rückseite, Deckel und Boden mit Weißleim versehen und festgeklebt. Alles mit mehreren Schraubzwingen fest einspannen und nicht vergessen, überall gleichmäßigen Druck auf die Platten zu geben (nicht punktuell!). Während das trocknet kann man Mittag essen, oder auch schon mit den Aussparungen an der Vorderseite beginnen, die später mal die Lautsprecherchassis tragen sollen.

Dazu empfiehlt es sich einen Bohrmaschinenaufsatz zu verwenden, wie auf den Bildern unten zu sehen ist. Ich fand einen mit genau 48mm Durchmesser, sodass ich die Aussparungen für die Hochtöner ganz einfach "rausbohren" konnte. Für den 112mm Einbaudurchmesser des Tieftöners reichte das gute Werkzeug dann aber doch nicht - hier half die Stichsäge nach. Die kann dann auch gleich das Bassreflexrohr für den Helmholtz-Absorber im oberen Ende der Box auf 50mm kürzen.

Wichtig ist, dass alle Teile dicht aneinandergeklebt sind und keine Luftlöcherchen entstehen! Besonders beim Teiler der Transmissionline kann am oberen Ende, direkt unter dem Tieftönerchassis, durchaus mal ein kleiner Luftspalt entstehen. Das alles sollte man mit Silikon oder Vergleichbarem abdichten!

Nachdem alle Teile bis auf eine Seitenwand angebracht sind, gehts erstmal in eine kleine Pause. Der Kleber sollte schon ein bisschen getrocknet sein, bevor die Innenaustattung vorgenommen wird.

 

Schritt 4: Das Innenleben


Nun kommt das Innenleben der Box dran. Zuerst wird die Frequenzweiche direkt unterhalb des Helmholtz-Absorbers an der Rückwand festgeschraubt. Dabei ist zu beachten, dass später bei höheren Pegeln eine mächtige Vibration in der Box herrschen wird - hier sollte also alles hinreichend fest sein und vorallem nicht rumklappern!

Mit den im Set beigelegten Kabeln werden die Chassis mit der Weiche und die Weiche mit dem Terminal verbunden. Mit der High-End Ausstattung hat man einen im Terminal angebrachten Schalter für die Anhebung oder Absenkung des Hochtönerpegels um 1dB und darf zwei Kabel mehr verlegen. Ansonsten sollte die Verkabelung nicht viel Zeit rauben.

Nun gehts ans Testen: Nochmal die Weiche prüfen (da kann man leicht den Verstärker abrauchen lassen, wenn man in der Frequenzweiche Mist gebaut hat!) und Musik auflegen: Funktioniert alles wie gewünscht, darf man natürlich auch gern mal das bisher fehlende Seitenteil anlegen und staunen, wie dadurch der Bass an Kraft gewinnt!

Nun fehlt nur noch die Bedämpfung mit der beigelegten Watte. Hierzu schneidet man pro Box 1,5 Matten  der Watte in Streifen á 15cm (muss nicht genau sein - etwas breiter als die Box)  und wiegt 35g davon mit der Küchenwage ab. Die kommen in die Absorberkammer (ja, das passt da alles rein!), damit das, was im Sound der Box noch überbetont ist, schön weggedämpft wird.

Der Rest der Matte wird wie auf den Bildern unten zu sehen angebracht. Ich habe einen Tacker verwendet um die Matten zu fixieren. Da muss man nicht tausend Nadeln verschießen, es reicht, die Watte zu fixieren, denn sie verklettet sich ohnehin mit dem rauen Holz.

Nun fehlt nur noch die Seitenwand. Ich persönlich habe noch etwas gewartet damit und die Box einige Stunden laufen gelassen. Wer weiß, wo noch ein fieser Fehler steckt... Ist die Box einmal zugeklebt, dann kommt man nur schwer an die Teile im Innern heran. In der Testphase kann man ja das Seitenteil ja getrost mit einer Schraubzwinge fixieren und schonmal ordentlich Musik hören =)

Und das war's dann auch schon: Fertig ist die schöne Box! Dann kann jetzt Schritt 5 folgen: Genießen!

 

Ja, was kommt denn nun bei raus?


Eine wunderbare Box! Ich bin hoch erfreut über den Sound und verstehe immernoch nicht, wie dieser kleine Tieftöner so viel, so tiefen Bass produzieren kann! Die Box macht ordentlich was mit und bringt meinen Boden gehörig zum vibrieren.
Dennoch muss man aufpassen, dass man das gute Stück nicht überlastet. Auch wenn der Bass angenehm und tief daherkommt - das sind keine Subwoofer! Für einen fetten Bass muss ein Lautsprecher schon ordentlich pumpen. Und da geraten die kleinen Tieftöner der MTL 138 in den höheren Pegeln eben doch an ihre Grenzen und küssen schonmal den Magneten... Vorsicht also damit!
Wer also richtig laut (also ich meine wirklich richtig laut!) mit richtig viel Bass hören will, der sollte die MTL 138 mit einem Subwoofer der tiefen Frequenzen entlasten.

Dennoch: Die Box macht schon ordentlich Lärm und geht weit über die Zimmerlautstärke ohne arg unecht zu klingen. Sie modelliert - laut wie leise - Stimmen recht authentisch und passend aufgestellt ergibt sich ein tolles Gefühl von Räumlichkeit und Weite. Mir gefällt besonders der angenehme und weiche Bass, der die Musik auf ein stabiles Fundament stellt. Insgesamt erlebt man Musik mit diesen Boxen ganz anders! Meine Mutter hörte bei "Don't Panic" von Coldplay zum ersten Mal eine im Hintergrund tönende zweite Gesangsstimme. Ich habe seit langem mal wieder Nightwish gehört und muss zugeben, dass mir bei "The Poet And The Pendulum" fast die Tränen kamen: Man bekommt wahrlich das Gefühl, man hätte ein Orchester im Zimmer sitzen. Wenn einem dann noch die voluminösen Drums entgegenrollen und man voller Unglauben auf die bebenden Membranflächen starrt - dann ist das schon ein ganz anderer Genuss! Insgesamt kann ich nur der Klangbeschreibung hier zustimmen. Hmmmm =)

Nachdem ich diese Box nun seit fast zwei Jahren habe, möchte ich noch ein kleines Update hinzufügen: Wenn man sich über längere Zeit mit Lautsprechern und Tontechnik im Allgemeinen beschäftigt, bekommt man auch ein Gefühl für die Schwächen dieser Box: Eine besonders gute Feinzeichnung vermisst man hier mit der Zeit dann doch. Dass sie da gegenüber den teureren Modellen keine Chance hat, wird aber schon aus dem Preis der Bauteile deutlich. Wer hier einen Studiomonitor erwartet, ist einfach selber Schuld.
Was mich nach den zwei Jahren dennoch immer wieder hoch erfreut, ist dieser sanfte, satte Bass. Ich kann nicht sagen warum, aber diese Performance hat mir bisher keine andere Box abgeliefert. Eine große Empfehlung ist und bleibt diese Box jedenfalls!

Nochmal kurz und bündig:

Arbeitszeit für zwei Boxen ohne optisches Finish: 1 - 1,5 Tage
Kosten für zwei Boxen (High End-Weiche): 146,87€ - d.h. 73,44€ Einzelpreis
- 2x Bausatz MTL 138 High-End + Versand 128,90€

- 3x OSB-Spanplatte 185cm / 18mm

17,97€
Benutztes Werkzeug

Sticksäge, Bohrmaschine/Bohrer und Rundsägeaufsatz, Bandschleifmaschine, Dremel für feine Bohrlöcher, Lötkolben, jede Menge Schraubzwingen, Kleinkram

 

Alle Bilder: